Urlaub in Thailand

Ein Monat Radfahrpause – Familienbesuch aus Deutschland. Circa die Hälfte dieser Zeit wohnen wir in einem erstklassigen Resorthotel am Strand. Wider Erwarten kommt dabei keine Langeweile auf. Nach vier Monaten ständiger Bewegung ergeben sich Geist und Körper der relativen (Elterndasein) Ruhe. Und, es gibt dann doch immer was zu tun. Ausflüge, Visa-Angelegenheiten, Fahrrad- und Ausrüstungspflege und mit Lara Pool, Pool, Pool. Die Räder haben auf dieser Reise zwar „erst“ etwa 4000 Kilometer absolviert, einige Teile aber, wie mein Liegerad, nun mehr als 50000 Kilometer auf dem Buckel und brauchen etwas Zuwendung. Größere Probleme haben wir mit unserer Ausrüstung. Aufgrund des vielen Regens und der permanent hohen Luftfeuchtigkeit sind alle Sachen ständig klamm. Wir bekommen sie nicht permanent trocken, und auf jeglichen Materialien bilden sich Schimmel und Stockflecken – stinkende Schlafsäcke, Isomatten, Zelt, … . Bis die Feuchtigkeit wieder nachlässt, waschen wir die gleiche Ausrüstung mehrfach.

Ein Monat in einem Ferienresort-Ort führt uns abermals den Unterschied vor Augen, wie Pauschaltouristen und Touristen, die sich punktuell an Sehenswürdigkeiten aufhalten ein Land erleben und wir, die wir uns langsam durch’s Land bewegen. In den Touristenorten ist es teurer, aufdringlich, fühlt sich weniger authentisch an, wenngleich diese Begleiterscheinungen des Tourismus als wichtiger Wirtschaftszweig genauso Teil Thailands sind. Zum einzigen Mal treffen wir auf unfreundliche Thailänder und Menschen, die Ihre Unlust auf Kundschaft nicht verbergen können.
Wenn wir mit den Rädern unterwegs sind, wird uns, wie wahrscheinlich jedem Radfahrer, eine allgemeine Wohlgesonnenheit zuteil. Dann sorgen unsere Liegeräder für ein „Oh!“ und das Erblicken des Anhängers mit Lara für ein „OHHH! Baby!“. Alle fliegen auf unser kleines, blondes Mädchen. Lara wird noch öfter fotografiert, als unsere Fahrräder. Teilweise erkennt man uns auch ohne Räder wieder, weil sich die Leute an Lara erinnern. Zwangsläufig prägt eine Vierjährige die Reise sehr, läßt uns das Tempo reduzieren, steuert ihre oft ganz andere Wahrnehmung des Erlebten und Gesehenen bei. Darüber hinaus wird Lara zum willkommenen Kontaktvermittler und Türöffner. So eine Reise mit Kind ist eine spannende neue Erfahrung nach all den Radreisen in den letzten über 20 Jahren.
Zudem wird Lara immer mal mit Kleinigkeiten beschenkt. Höhepunkt ist die letzte Etappe vor Bangkok. Auf 20 Kilometern werden wir dreimal angehalten. Zum geschenkten Obst und Kartoffelchips der Vortage gesellen sich am Ende sechs Flaschen Wasser, Weintrauben, Kuchen, getrocknetes Schweinefleisch – was Kinder eben gerne essen – und 100,-THB (2,50€) Bargeld.

Wir verlassen nach Wochen die Regionen, die 2004 besonders verheerend vom Tsunami betroffen waren. Ein Thema, daß einem hier oft begegnet. Denkmäler, Museen, Fotos vermisster Kinder, allerorts ausgeschilderte Fluchtwege weg vom Wasser in höhere Gebiete, angelegt nach 2004. Wahrscheinlich kann sich jeder hier genau an seinen 26. Dezember 2004 erinnern, wie man sich andernorts an den 11. September 2001 erinnert. Statistisch wird hier jeder auch im näheren Umfeld, in der eigenen Familie betroffen sein. Plastisch wird das an Einzelschicksalen, Geschichten vom rein zufälligen Überleben.
Ein Gastarbeiter aus dem benachbarten Myanmar erzählt mir beispielsweise, daß er seinerzeit in einem Restaurant am Strand arbeitete. Er sollte Brot kaufen, Brot war ausverkauft. Telefonisch wurde er angehalten, die nahende nächste Lieferung abzuwarten. So war er nicht zu der Zeit am Strand, als die Welle die Küste traf, anders als gewöhnlich sieben Tage pro Woche. Er überlebte als einziger von 20 Kollegen. Danach hockten die Überlebenden drei Tage ohne Versorgung auf einem Berg, weil sich das Gerücht einer weiteren Welle hielt ehe Rettungskräfte für eine Evakuierung sorgten.

Nach unserem Urlaub gilt es zunächst, Strecke zu machen. Unsere maximale Aufenthaltsdauer im Land von 90 Tagen nähert sich dem Ende. In zwei Wochen legen wir gut 1000 Kilometer zurück. Dabei finden wir ein paar schön ruhige Nebenstrecken, die auch mal gemütliches Nebeneinanderfahren erlauben.
Für Erlebnisse sorgt der eine oder andere Tempel. Es gibt sie alle paar Kilometer. Gold, Statuen, bunte Mosaiksteine – meist nicht die große Kunst. Dazu Neonlampen, bunte Bilder, wie überall sonst auch kreuz und quer gespannte Stromkabel. Die meisten Tempel verströmen nicht die Ehrfurcht der Jahrhunderte, sondern sind pragmatisch genutzte, mehr oder weniger neue Bauten, was durchaus auch sympathisch ist. Einige sind recht ansehnlich.
An einem Tempel lockt uns Getrommel und weiterer Lärm an. Neugierig halten wir. Inmitten vieler Menschen sehen wir drei bunt bekleidete Männer sich wild gebärden. Plötzlich haben sie Messer und Rasierklingen in der Hand und schneiden sich mehrfach die Zunge auf, um ihr Blut über vorher beschriftete Papierblätter zu spritzen.
An einem anderen Tempel haben sich, wahrscheinlich durch Füttern angelockt, Horden von Makaken versammelt. Der Weg in den Tempel ist ein beeindruckender, durchaus unangenehmer Spießrutenlauf. Ja nicht die Affen provozieren, die sich durchaus aggressiv zeigen können. Zur Sicherheit habe ich – Denise und Lara kommen lieber nicht mit – nichts außer der Kamera dabei. Nicht umsonst nennen wir die Makaken Klauaffen.

Nun sind wir ein paar Tage in Thailands Hauptstadt Bangkok bevor es Richtung Kambodscha weitergeht. Schließlich hat Lara sich bei der Frage ob sie nach Hause fahren oder zunächst noch weitere Radreise-Abenteuer erleben möchte, klar und ohne zögern für’s Weiterreisen ausgesprochen.

 

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2 Kommentare zu “Urlaub in Thailand

  1. Dana grothkopp schreibt:

    Es ist immer wieder ein Erlebnis eure Erfahrungen und Erlebnisse zu lesen. Freue mich das ihr es so genießt. Liebe grüße auch von doro.

  2. Stefan schreibt:

    Danke für den großen Bericht, welcher gleich gelesen wurde. Schön, dass ihr euch die Zeit nehmt uns Nichtreisenden solch schöne Texte zu übermitteln! Schade, wenn die Ausrüstung nicht mitspielt, aber das Fachpersonal ist ja dabei! Wir sind gespannt auf neue Erkenntnisse diesbezüglich! LG von Tina und Stefan aus den Regenwäldern von Köpenick

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