Im Zeichen des Ramadan

Nach Indonesien endlich auch mal Ruhe auf der Straße. Es gibt etliche Abschnitte mit wenig Verkehr. Die Straßen sind meist in gutem Zustand und verfügen über einen Seitenstreifen zum Radfahren. Das Unangenehmste ist nun die schwüle Hitze. 33°C im Schatten, wobei wir meist dem strahlenden Sonnenschein ausgesetzt sind. Wir durchfahren Ölpalmenplantagen, die bis zum Horizont reichen, oder Dschungel, der beiderseits der Straße auf einem breiten Streifen in gepflegten Rasen überführt wurde. Bei auch mal einigen zehn Kilometern Abstand zwischen Ortschaften müssen wir stets darauf achten, daß die Strecken nicht zu Durststrecken werden, wir also genügend Trinkwasser an Bord haben.

Jedoch können wir nach zwei Reisemonaten auch die ersten nennenswerten Regenschauer verzeichnen (abgesehen von einem Regen eines Nachts in Indonesien, der so heftig war, daß das Wasser in relevanter Menge durch die Decke unseres Hotelzimmers lief). Das kuriose dabei ist, daß von den ersten Nieseltropfen bis zu einem Regen als stünde man unter der Dusche nur einige Sekunden vergehen. Zweimal ist bei den ersten Tropfen ein schützender Unterstand in Sichtweite, vielleicht ein-, zweihundert Meter entfernt, und wir erreichen diesen klatschnass. Zum Glück trocknet alles bald so schnell, wie es nass geworden ist, und bis auf Laras Poncho ist die Regenkleidung bisher ungenutzt.

Die grüne Landschaft ermöglicht uns, viele Tiere zu sehen – verschiedene Affen, sehr große Echsen, Flughunde, Schlangen. Zusätzlich sehen wir beim täglichen Radfahren eine reiche Auswahl der Fauna überfahren am Straßenrand liegen. Elefant und Tapir sind nicht dabei, vor denen auf Verkehrsschildern gewarnt wird.

Fast den gesamten muslimischen Fastenmonat Ramadan verbringen wir in Malaysia, und dieser prägt das Leben hier. Zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang essen und trinken Muslime nicht und beschränken ihre Aktivitäten auf ein Minimum. Restaurants und Straßenküchen sind daher tagsüber meist geschlossen. Vielerorts ist es ruhig wie an einem Sonntagmorgen. Nichtmuslimische Chinesen und die zahlreich hier lebenden indischen Hindus passen ihre Öffnungszeiten der muslimischen Mehrheit an. Am frühen Abend kehrt das Leben in die Küchen zurück, um in einem ausgiebigen Mahl nach Sonnenuntergang, derzeit hier gegen 19:30Uhr, zu gipfeln. Alles ist vorbereitet. Die Getränke stehen bereit, die große Familie kehrt ein, das Essen wird serviert. Scheinbar wurde die Bestellung vorher besprochen. Dann sitzen alle vor ihrem Teller, stochern im Essen, sortieren, würzen. Auch hier starrt fast jeder auf sein Smartphone. Ungeduldig erwarten alle den Zeitpunkt, an dem wieder gegessen und getrunken werden kann. Wie an Silvester kurz vor Mitternacht mit dem Sektglas in der Hand. Drei, zwei, eins, essen!
Am Ende des Ramadan findet mit dem Fastenbrechen, hier Hari Raya, eines der wichtigsten islamischen Feste statt, von den Aktivitäten her vergleichbar mit Weihnachten – Familie besuchen, Essen, sich gegenseitig beschenken, Bedürftige bedenken, beten, den Friedhof besuchen. Das Besuchen der Familie führt dazu, daß scheinbar das ganze Land auf der Straße unterwegs ist. In den Nachrichten geht es um den alljährlichen Verkehrsinfarkt und das starke Ansteigen der Opferzahlen von Verkehrsunfällen. Mit „balik kampung“ „ins Dorf zurückkehren“ gibt es einen eigenen Begriff für diesen Zustand.

Rund um den Hari Raya erfahren wir hautnah, wie multirelegiös es in Malaysia zugeht. Wir werden von einem streng gläubigen Christen, dem Malaysia-Vorsitzenden einer christlichen Jugendorganisation, zum Übernachten in sein Haus eingeladen. Und während die Muslime ihr Fest des Jahres feiern, verbringen wir die Nacht in einem Hindutempel. Wir können kein Hotel finden, radeln in den Abend auf der Suche nach einem Platz zum Zelten, als wir den Tempel passieren. Wir fragen, ob es dort einen Platz gibt, wo wir unsere Isomatten ausbreiten können und bekommen diesen in einer kleinen Sporthalle auf dem Tempelgelände. Wegen der Mücken bauen wir darin unser Innenzelt auf, und so hat jeder von uns dreien, was er möchte, obwohl das unvereinbar schien. Ich möchte nicht ständig für Hotels bezahlen, Denise bevorzugt nicht wild campen, Lara unbedingt im Zelt schlafen. Lara reklamiert anfänglich allerdings schon weinend, daß drinnen Zelten kein richtiges Zelten ist.

Recht am Anfang unserer Malaysia-Etappe besuchen wir die Insel Tioman, wo wir ein paar Tage in einer einfachen Holzhütte direkt am Strand verbringen und neben der tollen Landschaft und den Tieren überwasser viel Freude am Schnorcheln zwischen Korallen und bunten Fischen haben. Ähnlich soll unsere Reise durch Malaysia enden, mit einem Aufenthalt auf der Insel Langkawi, bevor wir nach Thailand reisen.

 

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