Australien

Australien, was für ein Kontrast zum chaotischen Treiben in Südostasien. Meist aufgeräumt, sauber, Golfrasen. Alle haben immer gute Laune, alle sind immer freundlich, alle sind locker und stets zu einer Plauderei bereit, man redet sich sofort mit Vornamen an. Australien ist so … nett.

Nach einem Flug von Bangkok, wo wir unsere Fahrräder untergestellt haben, nach Sydney übernehmen wir zur Miete einen Camping-Kleinbus, der für 11 Wochen Fortbewegungsmittel und Unterkunft sein soll. Wir fahren entlang der Ostküste nach Norden, zurück nach Sydney, dann eine Runde im Südosten des Landes.

Durchaus überrascht bin ich von der Landschaft, durch die wir uns bewegen. Ich wußte, daß es im Südosten des Landes ein paar Berge und Wald gibt, der Rest ist vor allem Halbwüste, Wüste, Grasland – Outback eben. Keine Spur jedoch von Monotonie, gar Langeweile. Unterschätzt hatte ich die Dimensionen. Das Land Australien ist ein ganzer Kontinent, dessen Ausdehnung vergleichbar ist mit der Europas, fast 22 mal so groß wie Deutschland. So fahren wir mehr als 11000 Kilometern lediglich in der unteren rechten Ecke und setzen nicht einen Fuß ins Outback. Statt dessen auch subtropischer Regenwald, Wasserfälle, Skigebiete.

Im wesentlichen verbringen wir unsere Zeit in Australien damit, tolle Landschaften zu bereisen und zu versuchen, einzigartigen Tieren zu begegnen. Etwa 90% der australischen Tierarten gibt es nur hier. Viel zu entdecken also, was es zu Hause nicht gibt.
Zum Beispiel gibt es fast überall Kängurus und Wallabys (kleinere Känguruarten). Wenn wir morgens unseren Camper öffnen, können wir sie manchmal gleich aus dem Bett heraus unweit beobachten. Mit lautem flapp, flapp, flapp hüpfen die teils mannshohen Tiere vorbei. Wir sehen riesige Meeresschildkröten und beobachten gerade geschlüpfte auf ihrem Weg über den Strand ins Meer. Wir gehen mit einem Boot auf Krokodilsafari und sehen große Krokodile wie Krokodilnachwuchs. Wir sehen Wombats, die mit einem Gewicht von bis zu 40 Kilogramm an eine Riesenausführung eines Meerschweinchens erinnern. Wir sehen mit dem scheuen Schnabeltier ein einzigartiges, kurioses Tier. Wir sehen niedliche Koalas, Opossums, Flughunde, riesige Aga-Kröten und so vieles mehr. Auch die Vogelwelt bietet viel. Weit verbreitet sind Kakadus, die teils in Hundertschaften reichlich Lärm verbreiten. Es gibt zahlreich wunderschöne Papageien. Es gibt den Australien Magpie (deutsch: Flötenvogel) und den Kookaburra (deutsch: Lachender Hans), die beide für eine kuriose Geräuschkulisse sorgen. Diese zusammen mit etwa sechs Meter großen Farnen lassen einen gelegentlich ins Dinosaurier-Zeitalter zurückversetzt fühlen. Regional anzutreffen sind die flugunfähigen, mannshohen Emus.

Kakadu

Flötenvogel

Lachender Hans

Herausragende Erlebnisse haben wir am und im Wasser. Neben Krokodilen, Schildkröten, Robben, Delfinen und Muräne ist da zum Beispiel ein Rochen. Im flachen Wasser stehend kommt dieser Fisch in Sonderform zielstrebig auf mich zu geschwommen – näher und näher. Überrascht von seinem offensiven Verhalten weiche ich einen Schritt zurück. Abgesehen davon, daß er einen Giftstachel hat, ist er beeindruckende, schätzungsweise 1,5 Meter breit. Er bleibt ruhig vor mir liegen und läßt sich streicheln. Dann dreht er ab, verschwindet eine Weile und kommt zurück. Das Spiel wiederholt sich mehrfach.
Ein anderer Höhepunkt am und im Wasser, ein Höhepunkt der gesamten Reise, ist der Besuch der Whitsunday Islands. An den südlichen Ausläufern der berühmten Great Barrier Reef gelegen, gibt es dort Strände wie ausgedacht – schneeweißer Sand, türkisfarbenes Meer, das Wasser aus der Nähe glasklar. Wir schnorcheln an Korallen umgeben von vielen, auch größeren Fischen, wie zum Beispiel einem etwa 80 Zentimeter langen Napoleon-Lippfisch mit seinen dicken Lippen und Glupschaugen zum Anfassen nahe. Unterwasser ist für mich so eine Begegnung noch aufregender, ist man doch vergleichsweise unbeweglich und kann, einmal im Wasser, selbst dem Aufeinandertreffen nicht mehr aus dem Weg gehen.
Ausgedacht scheinen auch andere Situationen. Auf einer Steilküste stehend, am östlichsten Festlandspunkt Australiens, schwimmen wie bestellt Rochen vorbei, dann spielt eine Gruppe von mehreren dutzend Delfinen in den Wellen, dann folgt ein Hai. Ein anderes Mal parken wir einsam auf einer Klippe, circa 100 Meter entfernt passiert eine Gruppe Delfine während die Sonne untergeht.

Jenseits der Küsten, wo mich das Schnorcheln sehr fasziniert hat, ist für mich als Kletterer der Besuch der Grampiens und des Mount Arapiles eine besondere Freude. Letzterer ist namenhaft, weil er als Kulisse eines der bekanntesten Kletterfotos ziert (Stefan Glowacz in der Route „Kachoong“). Mehrere Tage verbringen wir mit Klettern und Bouldern, dem seilfreien Klettern an kleineren Blöcken. Lara ist begeistert dabei, treibt Denise den Angstschweiß auf die Stirn und ist ernsthaft geknickt, daß wir keine Kinder-Kletterausrüstung zur Verfügung haben.

Dennoch gibt es auch Vergnügungen für Lara. Beim Zoobesuch können wir Tiere streicheln und füttern, die es daheim teilweise in kaum einem Zoo gibt – Koalas, Kängurus, Krokodil, Dingo. Und wir verbringen reichlich Zeit auf gefühlt 100 australischen Spielplätzen. So viele wie es hier gibt, so wenige gab es in Asien – für 9 Monate außerhalb Singapurs nämlich gar keine. Dank unzähliger deutscher Touristen hat Lara auch nach langem erstmals wieder deutschsprachige Spielgefährten. Denen kann sie dann Erlebnisse erzählen, wie zum Beispiel: „Mein Papa leckt Tiere von hinten ab.“. Läßt mich, aus dem Zusammenhang gerissen, eigenartig dastehen, ist aber die Wahrheit. Ein Führer hatte uns Ameisen gezeigt, die nach Zitrone schmecken. Statt ihnen jedoch das Hinterteil abzubeißen, kann man, zum Wohl der Ameise, auch kosten, indem man sie sich an die Zunge hält.

Bei angeblich rund 37000 Kilometern Küstenlinie dreht sich in Australien viel um Wasser und Strand. In einer Touristeninformation nach den Attraktionen der Gegend gefragt, lautete die Antwort: „It’s all about beaches.“ (Es geht hier nur um Strände). Und auch hier sind die Strände zahlreich, und einer ist weißer als der andere. Wir passieren Orte mit Namen wie Surfers Paradise, Sunrise Beach natürlich, Seven Mile Beach, Ninety Mile Beach. Mancher Ort sieht nach ewigen Sommerferien aus.
So verbringen wir einige Nächte unmittelbar an einem der unzähligen Strände. Während die Sonne untergeht, schauen wir den sich überschlagenden Wellen und den sich darin vergnügenden Surfern zu. Lara zerrt ihren Kindersitz aus dem Auto und setzt sich mit einem Getränk zum Fernsehen in die erste Reihe. Einmal mehr denke ich, wie fein wir uns unsere aktuelle Lebenssituation eingerichtet haben – frei und ungestreßt mit den am meisten geliebten Menschen an einem wunderschönen Fleck der Erde nach einem wiedereinmal erlebnisreichen Tag.

Rückblickend eine wahnsinnig gute Entscheidung – diese wurde ja erst unterwegs getroffen -, unser gemeinsames Reisejahr auf diese Art zu beenden, etwas jenseits des Radreisens zu unternehmen, nochmal etwas völlig anderes kennenzulernen.
Australien ist in jedem Fall ein Land, das wir eines Tages erneut besuchen wollen.

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